Invasionsträume und verpasste Chancen


 

Der Frieden von Amiens



1802: Endlich fand Europa Frieden. Mit dem in Amiens abgeschlossenen Friedensvertrag war der neunjährige Krieg zwischen England und Frankreich beendet. Die Engländer hatten die Regierung Pitt abgewählt und der neue Premierminister Addington war fest davon üb erzeugt, dass der Frieden von Dauer sein würde. Um dies zu garantieren war England zu großen Zugeständnissen bereit. Alle überseeischen Eroberungen, bis auf Ceylon und Trinidad, wurden zurückgegeben, Malta sollten dem Malteserorden zurückgegeben werden. Auf der französischen Seite stand das Versprechen, den "Status Quo" auf dem europäischen Festland und den Überseegebieten zu bewahren.

Unmittelbar nach Abschluss des Vertrages wurde die englische Flotte drastisch reduziert. Mehr als 60 Linienschiffe, gerade einmal 32 Linienschiffe blieben aktiv, wurden außer Dienst gestellt und über 40.000 Seeleute abgemustert. In den Häfen freute man sich, war die Gefahr auf See von französischen Schiffen aufgebracht zu werden gebannt und in den heimatlichen Gasthäusern wurde man nicht mehr gewaltsam zur Royal Navy gepresst.

Engländer reisten wieder ohne Gefahren durch Europa und wurden auch in Frankreich mit größter Freundlichkeit empfangen. Doch während in England der Frieden und die aufblühende Wirtschaft gefeiert wurden, produzierte die französische Rüstungsindustrie stetig weiter. Allein die Werften hatten den Auftrag pro Jahr 25 Linienschiffe vom Stapel zu lassen. Den Engländern war klar, dass bei dieser Produktivität in wenigen Jahren die eigene Seeherrschaft verloren war.

Dieses Aufrüsten konnten die Engländer nicht als Vertragsbruch auslegen und überhaupt überwog noch immer die Freude am Frieden. In der Royal Navy beobachtete man die Ereignisse jedoch mit größter Sorge, war doch immer noch ein Großteil des englischen Wohlstandes von den Besitzungen in Übersee abhängig.

Entscheidender für das Ende des kurzen Friedens war die Tatsache, dass Napoleon Bonaparte keine Gelegenheit ausließ um, entgegen den vertraglichen Abmachungen, den Einflussbereich Frankreichs in Europa zu vergrößern. England hatte in den Verhandlungen zäh für eine Unabhängigkeit Italiens gekämpft. Dennoch setzte sich Napoleon selbst auf den italienischen Königsthron. Französische Truppen blieben weiterhin in Holland stationiert und nachdem die Engländer wohlwollend auch über diesen Tatbestand hinwegsahen, war Napoleon ermutigt in die Schweiz einzumarschieren.

Die Regierung Addington legte Protest ein, doch Napoleon sah von der völligen Unterwerfung der Schweiz nicht ab. So wurden auf der Insel die Stimmen lauter, die einen entschiedenen Kurs gegen den Korsen verlangten. Man erinnerte sich jetzt immer öfters an Pitt, der ein erbitterter Gegner Napoleons war. In Anbetracht des wachsenden Unmutes wurde der Ton gegenüber Paris rauer. Frankreich sollte für die Verletzung der vertraglichen Regelungen zur Kasse gebeten werden.

Napoleon reagierte trotzig. Er entschuldigte sein Vorgehen mit der auf englischer Seite noch ausstehenden Räumung Maltas. An diesem Punkt sollte man noch einmal auf die bedeutende Rolle Maltas zu sprechen kommen. Für die Franzosen war Malta praktisch wertlos. Hatte man doch selber genügend Häfen im Mittelmeer. Für England war Malta jedoch strategisch enorm wichtig. Den Engländern war dies natürlich bewusst und das Vertrauen in den Vertrag wurde jeden Tag geringer. Es war nach den französischen Vertragsbrüchen unmöglich geworden das Risiko einzugehen einen wichtigen Hafen, Minorca war bereits an Spanien zurückgegeben und Gibraltar war zu weit entfernt, im Mittelmeer zu verlieren.

Der Krieg war unausweichlich. Napoleon rüstete auf, war aber mit der Produktion noch weit hinter seinen Zielen zurück. Jeder weitere Friedensmonat brachte den Korsen seinen Zielen näher. Am 16. Mai 1803 erklärte England den Krieg und begann die Flotte aufzurüsten.

Am Tag der Kriegserklärung lief ein Verband von Linienschiffen unter dem Kommando von Vizeadmiral Cornwallis aus um die Blockade der französischen Häfen wieder aufzunehmen. Am 18. Mai 1803 setzte Nelson seine Flagge auf der Victory um den Oberbefehl im Mittelmeer zu übernehmen.

 

Napoleons Pläne



Napoleon wurde durch die Kriegserklärung überrascht. Ein Großteil seiner Flotte war auf der ganzen Welt im Einsatz, während die englischen Schiffe bereits wieder die französischen Häfen dicht machten.

Die Engländer waren davon überzeugt, dass Napoleon jederzeit den gewagten Sprung über den Kanal wagen würde. So wurden viele Soldaten einberufen um die Heeresverbände an den Küsten zu verstärken. Auf der anderen Seite des Kanals zog Napoleon seine Truppen zusammen. In Boulogne, Calais, Dünkirchen und zahlreichen anderen Häfen arbeitete man unermüdlich daran die Invasionsflotte zu bauen. 2000 Transportschiffe sollten nötig sein um das französische Heer überzusetzen. Zu diesem Zweck wurden hauptsächlich Prähme gebaut, welche jedoch den Beweis ihrer Hochseetauglichkeit zum Glück nicht erbringen mussten.

So standen sich die Gegner erneut gegenüber. Die Engländer beobachteten sorgsam jede Regung in den feindlichen Häfen, aber Napoleon war noch lange nicht in der Lage die Invasion durchzuführen. Auch wenn er von Seekrieg keine große Ahnung hatte, so war ihm dennoch bewusst, dass ohne Unterstützung durch eine mächtige Flotte aus Linienschiffen, seine Landungsboote bald auf dem Grund des Kanals liegen würden.


Als wichtigstes Lager wurde Boulogne gewählt. Allein hier zog Napoleon 90.000 Soldaten zusammen. Hier bezog er auch selbst Lager und musterte seine Truppen.

England hatte die Lage auf See wieder unter Kontrolle. Napoleon träumte von einem kurzen Zeitfenster um seine Truppen zu verschiffen, doch die Schiffe der Royal Navy schoben bei Tag und Nacht, Sommer und Winter ihren Dienst und beobachteten jeden Schritt der französischen Flotte. Einzelne Schiffe aus Übersee konnten die Blockade durchbrechen, doch saßen sie spätestens in den Häfen fest.

Langsam wurde man sich in England darüber bewusst, dass die Kontrolle der französischen Häfen langfristig nicht ausreichen würde um Napoleon Einhalt zu gebieten. Es war mühsam für Frankreich, doch die Flotte wurde stärker und früher oder später würde die Herrschaft über die Meere nicht mehr ausreichen um Napoleon zu besiegen. Eine weitere defensive Haltung würde Frankreichs Vormachtstellung in Europa stärken, den Orient schwächen und vielleicht auch wieder Asien bedrohen.

Die Sorgen wurden so groß, dass Addington schließlich zurücktrat und am 7. März 1804 wurde Pitt wieder Premierminister. Napoleons Krönung zum Kaiser und die Hinrichtung des Herzogs von Enghien kamen Pitt entgegen. Ihm gelang es in kürzester Zeit die Dritte Koalition gegen Napoleon zu schmieden. Mit Russland wurde eine Strategie für das Mittelmeer abgestimmt, mit Österreich sollte Frankreich in Mitteleuropa geschwächt werden. Die von England finanzierte Aktion sollte die Räumung Italiens, Deutschlands und Hollands zum Ergebnis haben.

Napoleon hing zu diesem Zeitpunkt immer noch an der Idee der Invasion. Sein Plan sah nun vor, eine große Anzahl von Linienschiffen zu sammeln um zumindest für kurze Zeit die Herrschaft über den Kanal erreichen zu können. Zu diesem Zweck sollte Admiral Latouche-Tréville aus Toulon, also bei dem im Mittelmeer agierenden Nelson, ausbrechen, die Flotten in Ferrol und Rochefort befreien um als starker Verband in Boulogne einzulaufen. Der Plan barg große Risiken und konnte nur im besten Fall gelingen. Zur Ausführung ist er nie gekommen, denn Latouche-Treville starb mitten in den Vorbereitungenam 18. August 1804.

Ein wichtiger Pfeiler der neuen Koalition war weiterhin die Herrschaft im Mittelmeer. Um diese sicherzustellen, war es wichtig auch Spanien im Griff zu haben. Pitt setzte die Spanier unter Druck, befürchtete man doch den Zugriff auf die spanische Flotte durch Napoleon. Ein kleiner Verband sollte darüber hinaus die spanische Silberflotte abfangen. Die Maßnahmen führten schließlich zur Kriegserklärung der Spanier an England am 12. Dezember 1804. Sofort wurde die englische Hafenblockade auf Cadiz ausgeweitet.


Napoleon wurde langsam nervös, war seine geplante Invasion doch der ganzen Welt ersichtlich und dennoch konnte er aufgrund der englischen Herrschaft im Kanal nicht zum Zuge kommen. Also entwarf er einen neuen Plan. Admiral Villeneuve, der Nachfolger des verstorbenen Latouche-Tréville, sollte mit seiner Flotte aus Toulon ausbrechen und in den Atlantik durchbrechen. Während ein kleineres Geschwader die Küste des Senegal und die Insel St. Helena erobern sollte, um Großbritannien von seinen Besitzungen in Ostindien abzuschneiden, hatte Villeneuve mit der Hauptmacht seiner Flotte den Auftrag, sich mit dem Rochefort-Geschwader unter Konteradmiral Missiessy vor der Küste Surinams zu vereinigen, um die niederländischen Kolonien in Amerika und möglichst viele briritsche Inseln in Westindien zu erobern. Anschliessend sollte Villeneuve nach Europa zurückkehren und das in Ferrol liegende Geschwader aus der britischen Blockade befreien. Danach sollte er vor Rochefort auf weitere Befehle warten. Doch auch dieser Plan kam nicht zur Ausführung, weil Villeneuve zu spät in Toulon eintraf.
Der französisch-spanische Bündnisvertrag vom 4. Januar 1805 eröffnete Napoleon neue taktische Möglichkeiten, die er in einen weiteren Plan umsetzte. Dieser sah vor, dass sich die Geschwader aus Toulon, Rochefort und Brest, verstärkt durch das spanische Geschwader in Cadiz, in Westindien vereinigen und anschliessend gemeinsam nach Europa zurückkehren sollten, um die Herrschaft im Kanal für die französische Invasion zu erzwingen. Als erster verliess Konteradmiral Missiessy am 11. Januar 1805 mit fünf Linienschiffen, drei Fregatten und zwei Briggs, sowie 3.500 Soldaten an Bord Rochefort. Villeneuve brach am 17. Januar 1805 aus Toulon aus, geriet aber in einen Sturm und musste nach wenigen Tagen in den schützenden Hafen zurückkehren, nachdem viele seiner Schiffe zum Teil schwere Schäden erlitten hatten. Nelson machte sich sofort auf die Verfolgung, konnte Villeneuve jedoch nicht entdecken. Das Geschwader in Brest machte gar nicht erst einen Ausbruchsversuch, womit auch dieser Plan gescheitert war. Konteradmiral Missiesy erreichte Westindien und plünderte die britischen Inseln Dominica, St. Kitts, Nevis und Montserrat. Dann erreichte ihn die Nachricht von Villeneuves gescheiterten Ausbruch und der Befehl zur Rückkehr nach Rochefort.

 

Die Jagd beginnt



Villeneuve gelingt es am späten Abend des 29. März 1805 Toulon zu verlassen. Nelson befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Bucht von Palma (Sardinien). Dennoch blieb Villeneuves Ausbruch nicht unbemerkt. Seine Flotte wird von den Fregatten Phoebe (36) und Active (38) gesichtet. Während die Phoebe Kurs auf Sardinien nahm, um Nelson zu alarmieren, versuchte Active Fühlung zu halten, verliert Villeneuve aber in der Nacht zum 1. April.  Nelson war sich über die Pläne von Villeneuve nicht sicher. Aber zu seiner Beruhigung war ihm klar, dass der französische Admiral auf dem Weg zum Kanal noch an Orde, Calder und Cornwallis vorbei musste. So war der Kanal eigentlich sicher. Für ihn galt es zunächst, zu verhindern, dass Villeneuve ins östliche Mittelmeer durchbrach.


Villeneuve erfuhr währenddessen von einem ragusischen Handelsschiff, dass sich Nelson vor Sardinien befand und wich deshalb in Richtung der spanischen Küste aus, um möglichst viel Raum zwischen sich und seinen Kontrahenten zu bringen. Bei abflauenden Winden schaffte es Villeneuve gerade noch bis nach Cartagena, wo 6 spanische Linienschiffe unter dem Kommando von Konteradmiral Salzeco lagen. Villeneuve forderte Salzeco auf, sich ihm anzuschliessen, doch dieser lehnte es mit dem Hinweis auf anderslautende Befehle ab.  Villeneuve setzte seinen Kurz weiter nach Cadiz und vertrieb Vizeadmiral Sir John Orde mit seinen 5 Linienschiff von seiner Station vor Cadiz. Anstatt nun Villeneuve weiter zu beobachten und gleichzeitig Cornwallis und Nelson zu informieren, verliess er seine Station und begab sich zu Cornwallis. Am 18. April erfuhr Nelson endlich, dass sich Villeneuve auf dem Weg in Richtung Gibraltar befand. Noch war unklar, was Villeneuves nächstes Ziel sein würde. Das erfuhr Nelson erst am 9. Mai 1805 vom portugiesischen Konteradmiral Donald Campbell. Inzwischen hatte Villeneuve sein Geschwader mit dem spanischen Geschwader Vizeadmiral Gravinas vereinigt und Cadiz bereits am 9. April 1805  mit dem Ziel Westindien verlassen.


Villeneuve erreichte am 13. Mai Martinique. Bei der Ansteuerung von Fort de France wurde seine Flotte vom Diamond Rock aus beschossen. Deshalb war die Rückeroberung dieser strategisch günstig gelegenen Felseninsel seine erste Maßnahme. Doch die verteidiger unter Commander Maurice wehrten sich verbissen. Erst als ihre Munitionsvorräte zu Ende gingen, stimmten sie einer Übergabe zu und konnten einen ehrenvollen Abzug vereinbaren. Während der Belagerung des Diamond Rock traf die Fregatte Didon vor Martinique ein und brachte neue Befehle Napoleons. Villeneuve sollte auf Guadeloupe weitere Truppen an Bord nehmen und anschliessend die britischen Inseln Barbuda und Antigua erobern. Auf Guadeloupe erwarteten ihn zwei Lininienschiffe, die aus Rochefort entkommen waren und nun seine Flotte verstärkten. 
Nelson schaffte indes die Überfahrt in 24 Tagen und erreichte Barbados. Dort wurde ihm das Gerücht zugetragen, Villeneuve plane einen Angriff auf die Inseln Trinidad und Tobago. Nelson nahm Truppen an Bord und nahm Kurs auf den Golf von Paria. Dort fehlte natürlich jede Spur von Villeneuve und Nelson nahm frustriert Kurs auf Grenada und von dort weiter nach Antigua.
Derweil hatte Villeneuve auf dem Weg nach Barbuda vor Antigua einen britischen Konvoi von 15 Handelsschiffen gesichtet und in seine Gewalt bringen können, der in Begleitung einer Fregatte nach Guadeloupe geschickt wurde, dort aber nie eintraf. Die Kapitäne der Handelsschiffe hatte Villeneuve auf sein Flaggschiff schaffen lassen, um sie dort zu befragen. Dabei erfährt er von Nelsons Ankunft in Westindien, wobei die britischen Kapitäne die Stärke seines Geschwaders stark übertrieben haben sollen. Villeneuve hatte nun keine Zeit zu verlieren. Er liess die in Guadeloupe an Bord genommenen Truppen auf vier Fregatten transferieren, die sie zurück bringen sollten und nahm am 9. Juni 1805 Kurs auf Europa.   


Nelson traf am 12.Juni 1805 vor Antigua ein und erfuhr, dass Villeneuve vor wenigen Tagen gesichtet wurde.Nelson nicht lange. Am 13. Juni 1805 nahm er Kurs auf Gibraltar. Die Brigg-Sloop Curieux wurde mit seinem Bericht nach England vorausgeschickt. Am 19. Juni gelang es der Curieux Villeneuves Verband zu sichten und so lange zu verfolgen, bis klar war, er nahm Kurs auf Ferrol.

Die Curieux erreichte am 7. Juli 1805 Plymouth. Zwei Tage später war die Information bei der Admiralität und Gegenmaßnahmen konnten ergriffen werden. Bereits am 15. Juli 1805 traf Konteradmiral Stirling mit Verstärkung bei Vizeadmiral Sir Robert Calder vor Kap Finisterre ein. Eine Woche später sichtete die englische Flotte die ersten Schiffe von Villeneuves Verband.

 

Calders Chance



Vizeadmiral Sir Robert Calder war am 22. Juli 1805 nur einen Wimpernschlag davon entfernt Nelsons Platz in der Geschichte einzunehmen. Im Nebel konnte die gegnerische Flotte ausgemacht werden und Calder ging direkt auf Angriffskurs. Doch der dichte Nebel machte es beiden Flottenführern unmöglich, eine geordnete Schlacht zu führen. So kam es zwischen den beiden Flotten lediglich zu verbissen geführten Einzelgefechten, wann immer sich feindliche Schiffe im Nebel sichteten.
Dabei gelang es Calders Flotte, zwei schwer beschädigt spanische Linienschiffe aufzubringen. Doch auch ein britisches Linienschiff war schwer beschädigt worden und mußte ins Schlepp genommen werden. Am folgenden Tag war die Sicht besser und Villeneuve entschlossen, die Schlacht wieder aufzunehmen. Doch Calder befand sich in einer Zwickmühle. Er verfügte noch über 14 einsatzbereite Linienschiffe, musste sich aber auch um drei manövrierunfähige Schiffe kümmern. Im stand Villeneuve mit 18 Linienschiffen gegenüber, während Calder bewußt war, das die Geschwader in Ferrol und Rochefort jederzeit auslaufen konnten. Wenn diese von Villeneuves Ankunft wußten, konnten sie jederzeit auslaufen und Calder in die Zange nehmen. Dieser wich deshalb nach Norden aus und gab so den Weg nach Ferrol frei.


Der unglückliche Calder wurde später auf eigenen Wunsch vor ein Kriegsgericht gestellt. Die verpasste Entscheidungsschlacht am 22. Juli wurde ihm dabei gar nicht mal zur Last gelegt, sondern seine Entscheidung am folgenden Tag die Prisen zu sichern und die Reparaturen vornehmen zu lassen. Er wurde zwar freigesprochen, erhält aber eine Rüge, weil er die Lage falsch beurteilt haben soll. Bis 1810 bleibt er kaltgestellt, wird dann aber rehabilitiert. Nelsons späteres Verhalten gegenüber Calder zeigte, dass er dessen Entscheidung durchaus nachvollziehen konnte.

Villeneuve steuerte nun zunächst Vigo an und segelte von dort weiter nach Ferrol. Er hatte nun den Auftrag, sich mit dem Rochefort-Geschwader unter dem Kommando von Kommodore Allemand zu vereinigen. Dieser wartete bereits an dem vereinbarten Treffpunkt, doch die Fregatte, die Villeneuve ihm geschickt hatte, wurde von den Briten abgefangen. Schließlich ringt sich Villeneuve dazu durch, Ferrol zu verlassen und Kurs auf den Treffpunkt zu nehmen. Dabei kommen ein Linienschiff und zwei Fregatten in Sicht. Was Villeneuve nicht weiss, eine der Fregatten ist die Didon, die er zu Allemand geschickt hatte. Von einer dänischen Handelsbrigg erfährt er, dass die Schiffe Teil einer größeren Flotte sein sollen. Diese Fehlinformation hat Captain Griffith vom Lininienschiff Dragon dem Skipper der dänischen Brigg zuspielen lassen. Um die Geschichte noch glaubwürdiger zu machen, setzten die drei britischen Schiffe eine Folge sinnloser Signale und gaben Warnschüsse ab. Die Täuschung war perfekt. Villeneuve liess nach Süden abdrehen und erreichte am 20. August 1805 Cadiz, dass von Collingwood mit einem kleinen Geschwader blockiert wurde. Zehn Tage später trifft Calder, der Ferrol bei der Wiederaufnahme der Blockade leer vorgefunden hatte, mit seinem Geschwader bei Collingwood ein und Villeneuve sitzt in der Falle.


Napoleon saß nun in den Startlöchern und erwartete die Ankunft seines Admirals. Umso größer war seine Wut, als er von seinem Marineminister Decrés darüber informiert wurde, dass Villeneuve nach Cadiz segelte. Napoleon tobte vor Wut, aber gleichzeitig musste er sich den Gefahren der Dritten Koalition gegenüberstellen. Immer mehr Informationen über die russischen und österreichischen Gruppen erreichten ihn. So war es doch Villeneuves Befehlsverweigerung die letztendlich zu Napoleons größtem Erfolg, der Sieg in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz, führte. Seine 200.000 gut ausgebildeten Soldaten wurden vom Kanal abgezogen und machten sich auf den Weg nach Österreich.


Villeneuve erhielt unmittelbar neue Befehle. Er sollte mit der Flotte nach Neapel segeln um die Offensive gegen die Österreicher zu unterstützen.

Nelson war bereits am 19. Juli 1805 vor Gibraltar eingetroffen. Da hier jede Spur von Villeneuve fehlte, begab er sich nach Norden, zur Kanalflotte von Admiral Cornwallis, um dessen Flotte gegen den erwarteten Angriff Villeneuves zu verstärken. Nelson selbst tritt nun endlich den wohlverdienten Urlaub an und erreichte am 18.August 1805 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Portsmouth. Doch sein letzter Urlaub war nur sehr kurz. Bereits am 2. September 1805 erfuhr er von Captain Blackwood, der auf dem Weg nach London bei ihm Station machte, dass sich Villeneuve in Cadiz befand. Sofort brach Nelson nach London auf, um sich um das erneute Kommando des Mittelmeergeschwaders zu bewerben.
Am 13. September ging Nelson an Bord der Victory um die Blockade von Cadiz zu unterstützen und das Kommando von Collingwood zu übernehmen.